Ein Turnfestbericht aus dem hohen Norden!

Turnfeste haben für uns beide, Reiner und Winfriede Böning vom Seefelder Turnverein e. V., eine besondere Anziehungskraft.
An dem „Deutschen Bundesturnfest im Jahre 2010 in Frankfurt“ konnten wir wegen unserer Goldenen Hochzeit nicht teilnehmen. Weil das Niedersächsische Landesturnfest erst im nächsten Jahr in Osnabrück stattfindet, lag es nahe, sich für dieses Jahr eine Alternative zu suchen.
Im DTB-Magazin lasen wir im vergangenen Jahr die Ankündigung des Bayerischen Turnverbandes, dass nach 10 Jahren wieder ein Landesturnfest stattfinden soll, und zwar vom 23. - 26. Juni 2011.
Im Frühjahr haben wir uns angemeldet, und so nahmen die Dingen ihren Lauf.
In den zugeschickten Turnfestunterlagen war uns das Hans-Carossa-Gymnasium im Centrum von Landshut zugewiesen worden. Als Anreisetag galt der 23. Juni 2011 für die Bayern. Wir wollten jedoch schon am 22. Juni losfahren. Um 15.00 Uhr war in unserem roten VW-Bus alles gut verstaut.
Das Abenteuer 30. Bayerisches Landesturnfest begann.
Unsere Fahrt ging durch den Wesertunnel - Bremer Kreuz - Dreieck Walsrode - dort auf die A 7 in Richtung Süden. Bis Hannover hat es nur geregnet, danach wurde es besser. Eine kurze Pause haben wir auf der Raststätte „Hildesheimer Börde“ eingelegt. Dort sprach uns ein Wandergeselle in Zimmermannskluft an. Er wollte nach Kassel. Wir haben ihn bis zum Autohof Guxhagen mitgenommmen. Dort haben wir übernachtet wie die Trucker. Am 23. Juni um 7.00 Uhr ging es wieder weiter auf der A 7 bis Würzburg - Kreuz Biebelried, von dort auf die A 3 bis Regensburg, dann auf die A 93 in Richtung München.
Über die B 299 erreichten wir schließlich Landshut. Bei einer Tankstelle bekamen wir die genaue Wegbeschreibung, und so erreichten wir gegen 13.00 Uhr das Hans-Carossa-Gymnasium. Hier erwarteten wir einen pflichtbewußten Hausmeister, aber der hatte wohl Urlaub. Stattdessen wurden wir von einigen jungen Sportlerinnen in gelben T-Shirts mit der Aufschrift „I huif da“ empfangen. Wir waren überrascht, wie coul die Mädchen alles abwickelten. Das Wetter ließ sich von ihnen jedoch nicht beeinflussen. Es regnete von 14.00 bis 18.00 Uhr in eins durch.
So haben wir zuerst gemütlich in unserem Bus gesessen, kurz gepennt und schließlich etwas gelesen. Mit unserer Festkarte sind wir dann kostenlos um 18.00 Uhr mit der Buslinie 3 zu den Messehallen gefahren. Wir haben kurz bei den Geräteturnern zugeschaut und danach unsere Wettkampfunterlagen vom Wettkampfbüro abgeholt.
Jetzt konnten wir sorgenfrei zur Festmeile fahren. Auf 3 Megabühnen liefen Vorführungen non Stop.
Wir hatten uns jedoch im voraus Karten für die Veranstaltung „Abendserenade auf der Burg Trausnitz“ bestellt, Beginn 22.00 Uhr. Als wir kurz vor 20.00 Uhr auf unsere Eintritskarten schauten, stand darauf Beginn 20.00 Uhr. Nun ging es aber ab im Dauerlauf ca. 300 Stufen rauf auf die Burg.
Wir waren die ersten Besucher; denn der Beginn 20.00 Uhr war ein Druckfehler.
Die zweite Überraschung kam dazu, es gab in dem großen Burgsaal keine Stühle. Da wir vom Hochlauf doch ziemlich geschafft waren, haben wir uns einfach auf den Holzfußboden gesetzt. Und siehe da, die anderen Besucher haben es uns dann fast alle nachgemacht. Aber solch ein tolles Konzert werden wir wohl so schnell nicht wieder erleben. Die beiden besten Bayerischen Kapellen waren einmalig.
Freitag, den 24. Juni 2011
Dieses war unser Wettkampftag. Im Gemeinschaftquartier wurde ein reichhaltiges Frühstück angeboten. Uns hat es in der großen Runde gut geschmeckt, da wir zu Hause doch immer alleine am Tisch sitzen.
Unser Wahlwettkampf Fachrichtung Leichtathletik fand im Stadion Sportzentrum West statt.
Zuerst hat Winfriede ihren Wettkampf absolviert, dann war ich dran.
Die Stimmung im Stadion war sehr freundschaftlich und locker. Sogar die Kampfrichter waren sehr zuvorkommend und immer ansprechbar. Besonders erwähnen möchte ich den Starter. (Normalerweise sind diese Herren unnahbare Einzelgänger.) Er war korrekt, hatte aber immer ein verschmitztes Lächeln im Gesicht.
Mit unseren Leistungen waren wir zufrieden, bedingt durch die guten Sportanlagen.
Den 50-m-Lauf schaffte Winfriede in 10,6 sec. und den Standweitsprung mit 1,61 m.
Meine Leistungen waren: 50-m-Lauf in 8,7 sec. und 2,07 m im Standweitsprung.
Enttäuschend war, dass nur jeweils 2 Teilnehmer und jeweils 2 Teilnehmerinnen in unserer Altersgruppe den Wahlwettkampf Leichtathletik bestritten, dadurch erreichten wir mit einer durchschnittlichen Leistung bequem den 2. Platz
Den Nachmittag haben wir dann auf der Festmeile verbracht.
Samstag, den 25. Juni 2011
Nach dem Frühstück ging es mit der Buslinie 5 zum Stadtteil Achdorf in die dortige Sporthalle.
Hier fand das Finale in der bayerischen Meisterschaft Gymnastik und Tanz statt.
Es ist kaum vorstellbar, wieviel diese jungen Mädchen trainieren mußten, um solche tollen Leistungen zu erzielen.
Von dort fuhren wir zurück zur Festwiese, um den Jedermann- bzw. Spaßwettkampf zu absolvieren.
Er bestand aus Seilspringen, Handstand, Basketballwurf, Zielwurf in liegende Reifen, Stehen oder Gehen auf einem gespanntes Gurt, Standhochsprung mit dem Berühren einer Wand, Überwinden eines Balkens, Jogging an 5 Kontrollstationen vorbei. Bei einigen Stationen haben wir gemerkt, dass wir doch ganz schön in die Jahre gekommen sind.
Eine besondere Attraktion erlebten wir am Nachmittag. Der frühere Kunstturnweltmeister von 1974 Eberhard Ginger sprang aus einem Flugzeug und landete mit seinem Paragleiter genau auf einee markierten Fläche auf der Festwiese. Während eines kurzen Gesprächs merkte er wohl an unserem Dialekt, dass wir nicht aus Bayern kamen. Er war überrascht, dass wir von der Norseeküste, also Preußen, am Bayerischen Landesturnfest teilnahmen. So ließ er sich auch gerne mit uns photographieren.
Um 19.00 Uhr begann in der Messehalle ein turnerischer und tänzerischer Querschnitt der verschiedensten Darbietungen der letzten Tage. Es war eine tolle Galaschau.
Sonntag, 26. Juni 2011 - der letzte Turnfesttag
Schon vor dem Frühstück herrschte Aufbruchstimmung. Es hieß, bis 10.00 Uhr muß die Schule geräumt sein. Die PKWs müssen von den Parkplätzen runter. Beim Frühstück wurde schon zurückgerudert. Bis nach der Abschlussfeier im großen Eisstadion sollten alle Parkplätze bei den Schulen geräumt sein. Weil die Schule, unsere Unterkunft, fast zentral lag, konnten wir morgens alles zu Fuß erreichen. Erst haben wir uns den schönen Festumzug angeschaut und dann ging es ins Eisstadion zur Abschlußveranstaltung.
Das Programm umfaßte: Einmarsch der Fahnen, Verteilen der Fahnen- und Jubiläumsbänder zum 150jährigen Bestehen des Bayerischen Turnverbandes, Ansprachen, Röhnradturnen, Luftakrobatik, Showtanz und vieles mehr.
Um 14.00 Uhr hieß es: Das 30. Bayerische Landesturnfest ist beendet.
Auf der Festmeile haben wir noch etwas gegessen und getrunken.
Um 16.00 Uhr verließen wir dann unseren guten Platz beim Hans-Carossa-Gymnasium in Richtung Bad Füssing.
Wir haben die Stadt Landshut als eine schöne liebenswerte und vorallendingen sehr saubere Stadt kennengelernt. Wir werden noch oft an das schöne Turnfest dort zurückdenken.
Sehr viel dazu beigetragen haben auch die vielen ehrenamtlichen Helfer in ihren gelben T-Shirts mit dem originellen Aufdruck: „I huif da“.
Ein liebenswerten Helfer namens Hubert W. aus 84076 Pfeffenhausen hat uns dann später sogar sein T-Shirt mit der Aufschrift "I huif da!" und dazu noch eine kleine Flasche "Hallertauer Hopfengold" nachgeschickt. Ist doch auch eine sehr nette Geste.
Mit freundlichen Grüßen
Reiner und Winfriede Böning



